Gerade erst ist die private Kunstsammlung von Loki und Helmut Schmidt in der Ausstellung „Kanzlers Kunst“ im Ernst Barlach Haus zum ersten Mal öffentlich präsentiert worden. Jetzt geht erstmals ein Bild auf Reisen. Paula Modersohn-Beckers „Sitzender Junge in Dünenlandschaft (Amrum)“ räumt seinen Platz im Wohnzimmer der Schmidts und ist nun von Mitte Juli bis Mitte Januar 2022 als Teil der Ausstellung „im freien. von monet bis corinth“ im Landesmuseum Hannover zu sehen.

„Über die Leihgabe der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung freuen wir uns ganz besonders“, sagt Professorin Dr. Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover. „Es ist uns eine Ehre, dass wir die ersten sind, die eine Leihgabe aus dieser Sammlung zeigen können. Das Werk ergänzt auf wundervolle Weise die Ausstellung und bringt zeitgleich eine spannende Herkunftsgeschichte mit.“

Eine Hannoveranerin erinnerte sich an den „Sitzenden Jungen“ ihrer Kindheit

Eine Leihgeberin der Ausstellung hatte in der Planungsphase das Bild des Sitzenden Jungen von Paula Modersohn-Becker erwähnt. Sie sei mit dem Werk aufgewachsen, weil es in ihrem Elternhaus gehangen habe. Sie konnte sich erinnern, dass die Schmidts es später gekauft hatten. Eine Anfrage bei der Helmut und Loki Schmidt-Stiftung brachte schließlich den Stein ins Rollen, sodass der Sitzende Junge nun außer Haus gezeigt wird. Im Wohnzimmer der Schmidts hängt er sonst in direkter Nachbarschaft zu weiteren Werken der Künstlerfamilien aus Fischerhude und Worpswede. Der „Sitzende Junge in Dünenlandschaft (Amrum)“ ist 1903 als Ölmalerei auf Karton entstanden und später auf Eichenholzparkett geklebt worden. Die Maße sind 47 x 60 Zentimeter.

Die Ausstellung zeigt die Freilichtmalerei des 19. Jahrhunderts

Die Ausstellung „im freien. von monet bis corinth“ in Hannover rückt das Phänomen der Freilichtmalerei in den Fokus. Im Europa des 19. Jahrhunderts war dieser neue Künstlertypus aufgetaucht. Kunstwerke entstanden unter freiem Himmel, um realistische Farbwirkung und Lichtverhältnisse einzufangen. Lange waren die sogenannten Pleinairisten Gegenstand von Karikatur und Kunstkritik – heute sind sie ausgesprochen populär.

Die Ausstellung geht der Frage nach, wie und wann sich die Einschätzung seitens der Kunstkritik geändert hat. Dazu wird in der Schau nicht nach Malerin oder Maler sortiert, sondern nach Orten, an denen die Werke geschaffen wurden. So führt die Ausstellung „im freien“ die Besucherinnen und Besucher durch Länder, Städte, auf das Land, in den privaten Garten – oder wie eben beim „Sitzenden Jungen“: ans Wasser.

Mehr über die Ausstellung erfahren Sie auf der Homepage des Landesmuseums Hannover.

In dieser Gesellschaft hängt der „Sitzende Junge“ nun bis Mitte Januar 2022 im Landesmuseum Hannover. Danach kehrt er ins Wohnzimmer von Loki und Helmut Schmidt zurück. Foto: Landesmuseum Hannover